Europäisches Umweltzeichen für Tourismus:
Eines oder Keines ?

Immer mehr Umweltzeichen für das Gastgewerbe

Heute kennzeichnen über 48 private und staatliche Umweltauszeichnungen in Europa mehr als 20 Campingplätze, Jugendherbergen, Pensionen, Alpenhütten, Biobauernhöfe, Restaurants, Ferienhäuser und Freizeitzentren mit mehr oder weniger anspruchsvollen Umweltqualitäten oder -leistungen.

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  • Wie kann das Interesse der VerbraucherInnen sonst an entsprechenden Angeboten mit hoher Umweltqualität erhöht werden ?
  • Kann und soll ein Europäisches Umweltzeichen, z.B. für Beherbergungsbetriebe, hier Abhilfe schaffen?
  • Können bestehende Label davon profitieren ?
  • Sollen sich die derzeitigen Umweltzeichen in Europa zumindest auf einen gemeinsamen Standard einigen und diesen dann auch gemeinsam vermarkten ?
  • Welche Rolle können oder sollen hier die großen Reiseveranstalter und Tourismusverbände spielen ?

Im Rahmen der ITB - Internationalen Tourismusbörse 2000 in Berlin veranstaltete ECOTRANS dazu eine Podiumsdiskussion. Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie hier.

Sagen Sie uns Ihre Meinung dazu? mail01.gif (4196 Byte)


EU bereitet europäisches Umweltzeichen vorLOGOSF_klein.jpg (34385 Byte)

Mit einheitlichen Standards auf einen grünen Zweig

Umweltbewusstsein im Tourismus ist ein Thema, dem mittlerweile eine wachsende Zahl von Fremdenverkehrsverbänden Beachtung schenkt. Angesichts der Flut an Piktogrammen zu allen möglichen Qualitäten des touristischen Angebots in den Prospekten der Zielgebiete gehen die Ökolabels jedoch oft unter. Zudem ist das Interesse bei Veranstaltern und Verbrauchern bislang gering.

Gegenwärtig gibt es über 30 Umweltzeichen und Wettbewerbe für touristische Leistungsträger auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Das Spektrum reicht von der Kleinwalsertaler Silberdistel über den Wettbewerb Vorbildliche Campingplätze in Deutschland, den Gîtes Panda in Frankreich bis zum Europäischen Preis Tourismus und Umwelt. Derartige Label und Auszeichnungen sind allerdings nur dann sinnvoll, wenn bekannt ist, welche Kriterien sie bewerten, und wenn sie möglichst viele Leistungsträger zur freiwilligen Senkung von Umweltbelastungen motivieren.

Bislang ist das Interesse von Hotels, Freizeitzentren, Campingplätzen und anderen touristischen Anbietern trotz der Aussicht auf Imagegewinne und Marktvorteile gering. Auch in den Katalogen der Veranstalter tauchen die Label meist gar nicht auf. So weiß die breite Masse der Urlauber bis heute kaum, dass es Umweltauszeichnungen für den Tourismus gibt, geschweige denn, was diese beinhalten.

Binnenmarkt Europa fordert gleiche Wettbewerbsbedingungen

Auszeichnungen für Umweltverträglichkeit im Tourismus gibt es mittlerweile in Österreich, Deutschland, Dänemark, Luxemburg, Großbritannien, Frankreich, Spanien und in der Schweiz. Angesichts der Vielzahl von Initiativen im vereinten Europa ist eine Orientierung schwierig. Der Binnenmarkt Europa erfordert jedoch einheitliche Wettbewerbsbedingungen auch und gerade im internationalen Tourismus. Die Vergleichbarkeit von Leistungen und Preisen und der leichte Zugang der Konsumenten zu zuverlässigen Informationen sind dabei unabdingbare
Voraussetzungen. Um dem Thema Umweltverträglichkeit im internationalen Tourismus mehr Gehör zu verschaffen, ist die Entwicklung von einem EU-einheitlichen Umweltzeichen ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Als erste Region entwickelte 1989 das Kleinwalsertal in Österreich mit der Silberdistel ein Umweltsiegel. Innerhalb weniger Jahre waren bereits 40 Prozent der Bettenkapazität mit diesem anspruchsvollen touristischen Ökolabel gekennzeichnet. Andere Zielgebiete, vor allem in Deutschland und Österreich, die Vorreiter waren, folgten seit Anfang der 90er Jahre. In vielen Regionen gibt es mittlerweile konkurrierende Labels. So hat es beispielsweise ein Hotelier in Saalbach-Hinterglemm in Österreich nicht leicht: Soll er sich für die lokale Grüne Hand, für das Umweltsiegel Tirol-Südtirol oder etwa für das nationale Österreichische Umweltzeichen für Tourismusbetriebe bewerben? Auch die Blaue Schwalbe von Verträglich Reisen oder das Grüne Bäumchen im ADAC-Reisekatalog könnten das Umweltengagement des Hoteliers unter Beweis
stellen. In Österreich hat mittlerweile das nationale Umweltzeichen die besten Chancen, seine Konkurrenten zu verdrängen. Die Kriterienkataloge für Hotels, Gasthöfe, Pensionen oder Berghütten und das unabhängige Prüf- und Vergabeverfahren zählen im Übrigen zu den anspruchsvollsten in Europa und bauen auf den langjährigen Erfahrungen der Pioniere im Kleinwalsertal, in Tirol und Kärnten auf. Auch in Italien steht inzwischen unter Federführung der Agenzia Nazionale per la Protezione dell'Ambiente Anpa (in etwa vergleichbar mit dem Umweltbundesamt in Deutschland) das Thema nationales Umweltzeichen auf der Tagesordnung.

In Deutschland nehmen mittlerweile in nahezu allen Bundesländern Betriebe an den Umweltwettbewerben der Hotel- und Gaststättenverbände teil, die nach einheitlichen Kriterien bewerten. Da Brandenburg bislang noch zögert, hat dort der Fremdenverkehrsverband Uckermark sein eigenes Ökolabel kreiert. Gänzlich weiße Flecken sind hingegen derzeit noch die Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz.
Doch auch in Deutschland zielen die Initiativen bereits auf ein bundesweit einheitliches Umweltzeichen für das Gastgewerbe ab. Derzeit diskutieren der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und alle anderen maßgeblichen Verbände auf Einladung des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts sogar einen weitergehenden Schritt: die Entwicklung einer gemeinsamen Umweltdachmarke für möglichst alle touristischen Dienstleistungen mit einem einheitlichem Logo und jeweils angemessen Kriterienkatalogen. So ist geplant, dass Gast- und Freizeitbetriebe, Verkehrsunternehmen, Kureinrichtungen, Kommunen und Veranstalter die Inhalte dieser Marke gemeinsam festlegen. Die Vorteile einer solchen Dachmarke liegen auf der Hand: Durch ein einheitliches, immer wiederkehrendes Logo erwarten die Verhandlungspartner nicht nur eine höhere Kundenakzeptanz, sondern infolge von Synergien auch eine deutliche Verringerung der Marketing-Kosten.

Europaweit ist die Zahl der touristischen Anbieter, die unter der Prämisse der Umweltverträglichkeit operieren, derzeit noch gering. Das europäische Netzwerk für eine nachhaltige Tourismusentwicklung, Ecotrans, recherchiert und beobachtet von Anfang an die Entwicklung der Umweltzeichen, -preise, -wettbewerbe oder -marken auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. So hat bislang beispielsweise lediglich ein Prozent der europäischen Hotels und Campingplätze ihr Umweltengagement mit einer Bewerbung unter Beweis gestellt. Bis zum Herbst
dieses Jahres soll nun eine Machbarkeitsstudie der Generaldirektion Umwelt klären, für welche touristischen Dienstleistungen ein Europäisches Umweltzeichen besonders geeignet ist und wie es innerhalb von ein bis drei Jahren umgesetzt werden kann. Mit Unterstützung der deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Europäischen Kommission veröffentlicht Ecotrans die wichtigsten Ergebnisse im Internet unter der Adresse www.eco-tip.org.


Internationale     ITB BERLIN 2000    PRESSESPIEGEL

Europäisches Umweltzeichen für Tourismus ?
Eher
KEINES als Eines.

Podiumsteilnehmer:    
Susanne Chlan, BMUJF, Österreichisches Umweltzeichen, Wien
Wolf Michael Iwand, TUI Group, Umweltmanagement, Hannover
Walter Leu, European Travel Commission, Brüssel
Horst Nitschke, ADAC Verlag, Redaktion Camping & Caravan Führer, München
Marion Hammerl, Fondo Patrimonio Natural Europeo, Madrid
Herbert Hamele, ECOTRANS, Saarbrücken

Die bisherigen Erfahrungen zeigen: die große Masse wird bisher noch kaum erreicht und zeigt aktiv auch noch kein großes Interesse. Bei der Flut von Piktogrammen zu allen möglichen Qualitäten des touristischen Angebotes in den Prospekten der Zielgebiete gehen die bestehenden Umweltzeichen oft unter, in den Katalogen der Reiseveranstalter werden die meisten erst gar nicht aufgenommen. Für die Konsumenten, die (auch) mit gutem Umweltgewissen verreisen wollen, fehlt somit die notwendige Orientierung.

Die TUI selbst vergibt kein eigenes Umweltzeichen, stellt aber derzeit 215 Hotels für ihre umweltschonende Hotelführung in ihren Katalogen heraus. "Das können wir selbst überprüfen, dafür geben wir die Garantie", sagt Dr. Iwand und fragt: "Wer kontrolliert die derzeitigen Ökolabels oder das mögliche europäische Umweltzeichen für Tourismus?". Die TUI kennt ihre Kunden genau und stellt fest, daß detaillierte Informationen über die Umweltqualität kaum nachgefragt werden. Viel wichtiger sind die Qualitäten, die der Kunde mit einer Marke verbindet: Sicherheit, Gesundheit, und "100% Geld-zurück-Garantie".

click to enlargeDie Ökolabel stehen damit nicht nur in Konkurrenz zueinander, sondern auch in Konkurrenz zu den Marken, die mit grossen Budgets promotet werden. Auch bei der Einführung des Österreichischen Umweltzeichens hat sich herausgestellt, daß ohne Marketing, sprich: Werbebudget, ein Umweltzeichen nicht überleben kann. Die Kommission will hier die Mitgliedsländer in die Pflicht nehmen, die jedoch bislang selbst ihre eigenen Umweltzeichen finanziell nicht gerade üppig ausstatten.

Die TUI selbst vergibt kein eigenes Umweltzeichen, stellt aber derzeit 215 Hotels für ihre umweltschonende Hotelführung in ihren Katalogen heraus. "Das können wir selbst überprüfen, dafür geben wir die Garantie", sagt Dr. Iwand und fragt: "Wer kontrolliert die derzeitigen Ökolabels oder das mögliche europäische Umweltzeichen für Tourismus?". Die TUI kennt ihre Kunden genau und stellt fest, daß detaillierte Informationen über die Umweltqualität kaum nachgefragt werden. Viel wichtiger sind die Qualitäten, die der Kunde mit einer Marke verbindet: Sicherheit, Gesundheit, und "100% Geld-zurück-Garantie".

Die Ökolabel stehen damit nicht nur in Konkurrenz zueinander, sondern auch in Konkurrenz zu den Marken, die mit grossen Budgets promotet werden. Auch bei der Einführung des Österreichischen Umweltzeichens hat sich herausgestellt, daß ohne Marketing, sprich: Werbebudget, ein Umweltzeichen nicht überleben kann. Die Kommission will hier die Mitgliedsländer in die Pflicht nehmen, die jedoch bislang selbst ihre eigenen Umweltzeichen finanziell nicht gerade üppig ausstatten.

Für die European Travel Commission braucht der internationale Markt eine Instanz, die für eine einheitliche Kernaussage aller Ecolabels verantwortlich ist. Das könnte die Europäische Kommission möglicherweise leisten. Eine Alternative wäre eine "Tourism Standard Agency", die mit Lizenzverträgen und Konventionalstrafen für die Einhaltung der zugesagten Umweltqualitäten sorgt.

Der ADAC hat mit dem größten Camping- und Caravanführer Europas langjährige Erfahrung mit dem Überprüfen von Qualitätsstandards auf Campingplätzen. Mit dem "grünen Blatt" kennzeichnet er rund 200 der über 5000 Campingplätze, die im Energiebereich auf umweltfreundliche Solartechnik umgestiegen sind. Horst Nitschke sieht das Interesse der Verbraucher an Umweltinformationen nicht so schwarz und verweist auf den Erfolg des Sommerservice des ADAC, der über die Badewasserqualität in den Urlaubsgebieten informiert. Es dürfen nicht ausschliesslich Marketingvorteile eine Rolle spielen, mindestens ebenso wichtig ist die Verantwortung der Tourismusbranche für die Zukunft. Die Fülle der derzeitigen Umweltzeichen spiegelt den Willen zum Handeln wieder. Nitschke verweist auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Campingplätze in Europa und gibt sich skeptisch, ob sich diese Vielfalt in Kriterien für ein einheitliches Umweltzeichen packen läßt.

"Zieht man noch die Osterweiterung der EU in Betracht, wird der Spagat noch größer," sagt Wolf Michael Iwand, "denn die EU muß für Chancengleichheit sorgen und kann daher die osteuropäischen Länder nicht ausklammern".

"Kleinster gemeinsamer Nenner für das EU-Umweltzeichen?" fragt ECOTRANS. Für Frau Chlan kommt dies nicht in Frage. Das Österreichische Umweltzeichen hat strengere Richtlinien als die EU und würde sich nur in ein EU-Zeichen integrieren, wenn dieses Niveau nicht unterschritten wird.

Alternativen zum EU-Ecolabel? Neben dem Vorschlag für eine "Tourism Standard Agency" wurde auch eine von der EU unterstützte konzertierte Aktion der nationalen Umweltzeichen und das "EU-Label für Eco-labels" diskutiert. Das Prädikat "Von der EU anerkanntes Umweltzeichen für Tourismus" könnte die Spreu vom Weizen trennen.

Fazit: keine Begeisterungsstürme für das EU-Ecolabel, sondern eher Skepsis.

Weitere Informationen:

ECOTRANS e.V.,
Futterstrasse 17 - 19, D-66111 Saarbrücken
Telefon: 0049 -(0)681-374679, Fax: 0049-(0)681-374633,
info@ecotrans.de

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